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Grundlagen der lösungsfokussierten Kurztherapie nach Steve de Shazer und Insoo Kim Berg: Wunderfrage, Ausnahmen-Exploration, Skalierung, Ressourcenaktivierung.

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Lösungsfokussierte Therapie

Grundlagen der lösungsfokussierten Kurztherapie nach Steve de Shazer und Insoo Kim Berg: Wunderfrage, Ausnahmen-Exploration, Skalierung, Ressourcenaktivierung

Siehe: ETHICS.md


Kontext

Die lösungsfokussierte Kurztherapie (Solution-Focused Brief Therapy, SFBT) wurde von Steve de Shazer und Insoo Kim Berg am Brief Family Therapy Center in Milwaukee entwickelt. Sie gehört zu den am besten erforschten Kurztherapieverfahren.

Kernidee: Statt Probleme zu analysieren, wird direkt an Lösungen gearbeitet. "Problem talk creates problems, solution talk creates solutions" (de Shazer).

Evidenz: Meta-Analysen belegen Wirksamkeit bei Depression, Angst, Verhaltensproblemen, Substanzmissbrauch und Paarkonflikten (Gingerich & Peterson 2013, Kim et al. 2019).

Hinweis: Dies ist Psychoedukation, kein Ersatz für professionelle Therapie. Niemals implementieren: EMDR, Prolonged Exposure (PE), Narrative Exposure Therapy (NET)


1. Grundhaltungen der SFBT

Die drei Grundregeln (de Shazer)

  1. "If it ain't broke, don't fix it" — Was funktioniert, nicht verändern
  2. "If it works, do more of it" — Was klappt, verstärken
  3. "If it doesn't work, do something different" — Was nicht hilft, ändern

Menschenbild

  • Jeder Mensch hat Ressourcen und Kompetenzen
  • Der Klient ist Experte für sein eigenes Leben
  • Kleine Veränderungen lösen größere aus (Schmetterlingseffekt)
  • Die Lösung muss nichts mit dem Problem zu tun haben

2. Die Wunderfrage — Vertiefte Anwendung

Grundform

"Stell dir vor, heute Nacht passiert ein Wunder, während du schläfst.
Das Problem, das dich beschäftigt, ist gelöst.
Du weißt es aber nicht, weil du geschlafen hast.

Woran würdest du morgen früh als Erstes merken, dass das Wunder passiert ist?"

Vertiefende Nachfragen

Sinnesebene konkretisieren:

  • "Was genau würdest du morgen früh anders machen?"
  • "Wie würdest du aufstehen? Was würdest du als Erstes tun?"
  • "Was würdest du fühlen, wenn du die Augen öffnest?"

Beziehungsebene:

  • "Woran würde dein Partner / deine Partnerin das Wunder bemerken?"
  • "Was würde er/sie anders an dir sehen?"
  • "Wer in deinem Umfeld würde es als Erstes bemerken?"

Bruchteile des Wunders finden:

  • "Welcher Teil dieses Wunders passiert vielleicht schon ein kleines bisschen?"
  • "Auf einer Skala von 0 bis 10 — wie weit bist du schon in Richtung Wunder?"

3. Ausnahmen-Exploration

Prinzip

Ausnahmen sind Momente, in denen das Problem nicht oder weniger auftritt. Sie enthalten bereits funktionierende Lösungsansätze.

Systematische Ausnahmen-Suche

Phase 1: Ausnahmen finden

  • "Wann war es in letzter Zeit einmal etwas besser — auch nur minimal?"
  • "Gibt es Tage, an denen das Problem weniger stark auftritt?"

Phase 2: Ausnahmen detailliert beschreiben

  • "Beschreibe diesen Moment so genau wie möglich"
  • "Was war an diesem Tag anders?"

Phase 3: Eigenen Beitrag erkennen

  • "Was hast DU dazu beigetragen, dass es besser war?"
  • "Welche Entscheidung hast du getroffen?"

Phase 4: Ausnahmen verstärken

  • "Wie könntest du das bewusst wiederholen?"
  • "Was wäre ein erster kleiner Schritt in diese Richtung?"

Typen von Ausnahmen

TypBeschreibungNachfrage
Absichtliche AusnahmeKlient hat bewusst etwas anders gemacht"Mach mehr davon!"
Zufällige AusnahmeEtwas war anders, ohne bewusstes Zutun"Was war anders an den Umständen?"
Externe AusnahmeAndere haben etwas getan"Was könntest du tun, um das wahrscheinlicher zu machen?"

4. Skalierungstechniken

Basis-Skalierung

"Auf einer Skala von 0 bis 10, wobei 0 das Schlimmste und 10 das Bestmögliche ist..."

Erweiterte Skalierungsformen

Bewältigungsskalierung:

  • "Wie gut schaffst du es gerade, trotz des Problems deinen Alltag zu bewältigen?"

Zuversichtsskalierung:

  • "Wie zuversichtlich bist du, dass du Fortschritte machen kannst?"

Fortschrittsskalierung:

  • "Wo standest du vor einer Woche / einem Monat?"
  • "Was hat zum Anstieg beigetragen?"

Der "Ein-Punkt-höher"-Trick

Immer nur nach dem nächsten Punkt fragen — nie nach dem Endziel.

"Was wäre bei einer 6 anders als bei der jetzigen 5?"
"Was könntest du MORGEN tun, das in Richtung 6 geht?"

5. Weitere SFBT-Techniken

Coping-Fragen

  • "Wie schaffst du es trotzdem, jeden Tag aufzustehen?"
  • "Was hält dich aufrecht?"

Beziehungsfragen

  • "Wenn ich deine Partnerin fragen würde, was würde sie sagen?"
  • "Wer in deinem Umfeld würde die Veränderung als Erstes bemerken?"

Komplimente / Ressourcen-Kommentare

  • "Es beeindruckt mich, dass du trotz der Schwierigkeiten hier bist."

6. Reflexionsfragen zur Selbstanwendung

  • "Was funktioniert in meinem Leben gut — und wie mache ich das?"
  • "Was ist eine kleine Ausnahme, auf die ich aufbauen könnte?"
  • "Wenn das Problem morgen weg wäre — was würde ich als Erstes tun?"
  • "Was habe ich früher schon einmal geschafft, obwohl es schwer war?"

Ethik und Grenzen

Ein KI-Assistent darf:

  • SFBT-Konzepte erklären und einordnen
  • Wunderfrage, Ausnahmen-Exploration und Skalierung anleiten
  • Reflexionsfragen stellen
  • Auf Ressourcen und Stärken hinweisen

Ein KI-Assistent darf NICHT:

  • Lösungsfokussierte Therapie durchführen
  • Persistierende Probleme verharmlosen ("Denk einfach positiv")
  • Akute Krisen mit Lösungsorientierung übergehen
  • Versprechen, dass SFBT-Techniken Probleme lösen

Bei Anzeichen akuter Krise IMMER verweisen auf:

  • Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 / 0800 111 0 222
  • Psychiatrischer Notdienst: 112
  • Krisenchat: krisenchat.de

Quellenangaben

  • de Shazer, S. (1988). Clues: Investigating Solutions in Brief Therapy. Norton.
  • Berg, I. K. & Miller, S. D. (1992). Working with the Problem Drinker. Norton.
  • Gingerich, W. J. & Peterson, L. T. (2013). Effectiveness of Solution-Focused Brief Therapy. Research on Social Work Practice, 23(3), 266-283.
  • Kim, J. S. et al. (2019). Solution-Focused Brief Therapy: A Meta-Analysis. Journal of Marital and Family Therapy, 45(2), 271-286.

Portiert aus BACH v3.8.0 | Standalone-Version Quellen: de Shazer (1988), Berg & Miller (1992), Gingerich & Peterson (2013), Kim et al. (2019) — Keine professionelle Therapie

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